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Biodiversität. Kap. 3.1

Aktuelle Biodiversitätsveränderungen in Hochgebirgen

Udo Schickhoff

Kurzfassung: Gebirgsregionen sind in den letzten Jahrzehnten einer überdurchschnittlich starken Klimaerwärmung sowie signifikanten Veränderungen der Landnutzung ausgesetzt. Die Erwärmung induziert in humiden Regionen eine Ausdehnung der Areale vieler Tier- und Pflanzenarten in höhere Lagen. Die mittlere Arealverschiebung beträgt rezent für verschiedenste taxonomische Gruppen etwa 11 m pro Dekade. Die Artenvielfalt auf Berggipfeln hat sich meist deutlich erhöht. Die graduelle Transformation alpiner Pflanzengesellschaften durch erhöhte Abundanz thermophiler Arten erfolgt jedoch auf Kosten kälteadaptierter Arten. Für die Mehrzahl der alpinen Waldgrenzen ist ein rezenter Anstieg dokumentiert, der teils klimabedingt ist, vielfach aber auf ein Auflassen der Alpweidenutzung zurückzuführen ist. Der in Gebirgen der Industrieländer zu beobachtende Rückgang der Nutzungsvielfalt resultiert in einer Abnahme der Artenvielfalt. In weniger entwickelten Gebirgsregionen ist rezent ein Trend zur Dezentralisierung im Ressourcenmanagement zu erkennen, der sich positiv auf die Bewahrung von Landschaftsqualität und Biodiversität auswirkt.

Current biodiversity changes in mountain environments: In recent decades, mountain regions have been subjected to above-average climate warming and significant land use changes. Climate warming triggers an expansion of distribution ranges of many plant and animal species. Distributions of species of various taxonomic groups have recently shifted to higher elevations at a median rate of 11.0 meters per decade. Species richness on mountain summits has often significantly increased. The ongoing gradual transformation of alpine plant communities is associated with increased abundance of thermophilous species and a decline of cold-adapted species. The majority of alpine treelines shows a recent advance which is partly climatically induced, in many cases, however, caused by the abandonment of alpine pasture use. The decline of land use diversity in mountains of industrial countries results in a decrease of species diversity. Resource management in less developed mountain regions shows a current trend of decentralization with positive effects on the conservation of landscape quality and biodiversity.