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Biodiversität. Kap. 3.14

Über die Zunahme thermophiler Schadorganismen in Wäldern am Beispiel der Borkenkäfer

Sandra Krengel & Petra Seidel

Kurzfassung: Im Zuge des Klimawandels werden Waldökosysteme wahrscheinlich den Auswirkungen sich ändernder abiotischer und biotischer Faktoren ausgesetzt sein. Die langen Produktionszyklen stellen die Forstwirtschaft daher hinsichtlich der Entwicklung geeigneter Anpassungsstrategien vor besondere Herausforderungen. Das Auftreten von Schaderregern wird durch den Klimawandel direkt und indirekt beeinflusst. Dadurch kann es zu einer Migration forstlicher Schadinsekten in bislang befallsfreie Regionen kommen und zu Verschiebungen in der Bedeutung der Schaderreger. Borkenkäfer (Coleoptera: Scolytidae) gelten auf Grund ihrer Lebensweise, ihrer thermophilen Eigenschaften und ihres hohen Vermehrungspotentials nach heutigem Kenntnisstand als mögliche Gewinner des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse wie Trocken- und Hitzeperioden können die Prädisposition ihrer Wirtsbäume erhöhen. In Folge vermehrt auftretender Stürme steht den Borkenkäfern zusätzlicher Brutraum zur Verfügung, was unter begünstigenden Umweltbedingungen zu einer Massenvermehrung führen kann. Auch die Populationsdynamik der Borkenkäfer selbst ist wesentlich vom Klimawandel beeinflusst. In warmen Jahren kommt es bereits heute zu einem zeitigeren Auftreten, höheren Vermehrungsraten, schnelleren Entwicklungszeiten sowie der Ausbildung zusätzlicher Generationen und von Geschwisterbruten. Um dem klimawandelbedingt verändertem Gefährdungspotential entgegen zu wirken, gilt es die zukünftigen Risiken rechtzeitig abzuschätzen und flexible Waldbau- und Waldschutzstrategien zu entwickeln.

On increasing relevance of thermophilic pests in forests using the example of bark beetles: In the course of climate change, forest ecosystems are likely to face changes in abiotic as well as biotic factors. Especially the long-term production cycles of forests present challenging conditions regarding the development of appropriate adaptation strategies. The occurrence of forest pests will be affected by changing climate conditions indirectly as well as directly. Thus, forest pests could migrate to previously uninfected regions or the relevance of forest pests itself could shift. Due to their mode of life, their thermophilic traits and their high reproductive potential bark beetles (Coleoptera; Scolytidae) are assumed to benefit from a changing climate. Extreme weather events, such as drought and heat periods, could elevate the predisposition of their host trees. In succession of storms a higher amount of breeding material is available; in the case of favorable environmental conditions this is able to promote mass reproduction. The population dynamics of bark beetles itself are affected by climate change as well. Earlier swarming, increasing reproduction rates, fastened development and the development of additional generations and sister broods have already been recognized in the course of very warm years. The early assessment of future risks and the development of flexible forest management strategies are major tasks in order to prevent increasing forest pest risks in future.