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Biodiversität. Kap. 3.15

Anthropogener Klimawandel und beobachtete Verschiebungen von Vegetationszonen

Thomas Hickler

Kurzfassung: Die globale Verteilung von Vegetationszonen wird überwiegend durch das Klima bestimmt. Mit der Erwärmung insbesondere der letzen Jahrzehnte hat sich vielerorts in der Welt die Waldgrenze weiter nach Norden oder in größere Höhen verschoben, wobei in bspw. den Alpen die Landnutzung oft entscheidender ist als der Klimawandel. Außerdem kann man global vermehrt Anzeichen für ein zumindest teilweise Trocken- und Hitzestress-bedingtes Ansteigen der Baummortalität beobachten, in einigen Fällen das Absterben ganzer Bestände oder der dominanten Baumarten in größeren Regionen. Dies betrifft vor allem das westliche Nordamerika. Bspw. in Süddeutschland und vielen Gegenden der nördlichen Breiten hat der Klimawandel jedoch bisher durchaus positive Effekte auf das Pflanzenwachstum gehabt. In einigen Savannengebieten beobachtet man eine zunehmende Verbuschung, die eventuell maßgeblich durch pflanzenphysiologische Effekte der erhöhten CO2-Konzentration in der Atmosphäre verursacht wird und das Ökosystem Savanne mit ihrer besonderen Tier- und Pflanzenwelt bedrohen könnte. Weil Verschiebungen von Vegetationszonen zeitverzögert auftreten, und weil der Klimawandel in der Zukunft wahrscheinlich erheblich stärker wird als bisher, ist jedoch davon auszugehen, dass zukünftige Veränderungen erheblich schwerwiegender ausfallen als bisher beobachtet, mit erheblichen Effekten für die biologische Vielfalt, die in der Regel eng mit einer bestimmten Vegetationszone zusammenhängt.

Anthropogenic climate change and observed vegetation zone shifts: Climate determines the distribution of global vegetation zones. In many areas across the globe, the warming, in particular during the last decades, has resulted in shifts of the tree line northwards and to higher altitudes. However, in the European Alps, for example, changes in land use are often more important for the tree line than climate change. There is also increasing evidence for a global trend towards more drought and heat stress induced tree mortality, in some cases affecting most dominant trees over large areas, in particular in western North America. But, for example, in southern Germany and many areas in the high northern latitudes, climate change had positive effects on vegetation growth. In some savannah areas, an increasing shrub encroachment has been observed, which might be largely driven by plant-physiological effects of an increasing atmospheric concentration of CO2. This development might generally threaten savannahs and their unique flora and fauna. As vegetation zone shifts occur with a substantial time-delay and because future climate change will probably be larger than during the recent past, much more substantial shifts should be expected in the future, with pronounced effects on biodiversity, which is often strongly linked with certain vegetation zones.