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Biodiversität. Kap. 4.2

Sind Seeberge bedrohte Biodiversität-Hotspots?

Bernd Christiansen

Kurzfassung: Seeberge sind im Weltozean weit verbreitet. Sie wurden häufig als Orte hoher Produktivität und Biodiversität mit einer großen Anzahl endemischer Arten angesehen. Neuere Untersuchungen stellen diese Verallgemeinerungen in Frage und betonen die Vielfalt von Seebergtypen und ihrer Umgebungen, die zu sehr unterschiedlichen ökologischen Ausprägungen führen können. So mögen einige Seeberge wirklich Biodiversitäts-Hotspots sein, während andere sich im Artenreichtum kaum von der Umgebung unterscheiden. Unabhängig davon, ob ihre Biodiversität erhöht ist oder nicht, sind Arten und Lebensgemeinschaften an Seebergen durch verschiedene menschliche Aktivitäten gefährdet, und wegen des geringen Regenerationspotentials der Seeberg- und Tiefseefauna ist eine Wiederherstellung nach einer Störung, wenn überhaupt, nur in langen Zeiträumen möglich. Zur Zeit stellt die industrielle Fischerei die Hauptbedrohung für Seebergökosysteme dar. Die Bodenschleppnetzfischerei beeinträchtigt nicht nur die Zielarten, sondern bedroht durch hohe Beifanganteile und die Zerstörung von Korallen- und Schwammgemeinschaften und deren assoziierter Fauna große Teile des Ökosystems. In ähnlicher Weise würde ein zukünftiger Abbau von Ferromangankrusten zu einer großflächigen Zerstörung von Lebensgemeinschaften und Habitaten führen. Durch den Klimawandel erhöhte Temperaturen können zu einer Ausbreitung von warmwasserliebenden Arten und einer Verdrängung kälteliebender Arten in höhere Breiten oder tiefere Wasserschichten führen. Die Versauerung des Ozeans auf Grund des erhöhten CO2-Gehaltes in der Atmosphäre könnte besonders Korallen mit ihren kalkhaltigen Skeletten betreffen und zu substantiellen Veränderungen in den benthischen Lebensgemeinschaften an Seebergen führen. Eine Ausweitung von Sauerstoffminimumzonen würde sowohl benthische als auch pelagische Gemeinschaften treffen. Potentielle Folgen von Änderungen in den ozeanischen Zirkulationssystemen sind zur Zeit nicht vorhersagbar.

Are seamounts threatened biodiversity hotspots? Seamounts are ubiqitous features in the world oceans. They have commonly been regarded as locations of enhanced productivity and biodiversity and thought to support high levels of endemism. Recent studies question these generalizations and stress the high diversity of seamount types and environmental settings, which may result in very different ecological features. In this respect, some seamounts may be »hotspots of biodiversity«, whereas others do not differ in species richness from their surrounding. Regardless of whether their biodiversity is enhanced or not, seamount species and communities are affected by several human activities and, due to the low resilience and regeneration potential of seamount and deep-sea fauna, a recovery from disturbances is highly unlikely or will take a very long time. Currently the industrial fishery is the main threat to seamount ecosystems, with bottom trawls removing not only target species, but also high amounts of bycatch and destroying coral and sponge communities and their associated fauna. Similarly, a possible future mining for ferromanganese crusts at seamounts will result in large-scale destruction of communities and habitats. The impact of climate change on seamount communities may include an expansion of warm-water species and the displacement of cold water species to higher latitudes or deeper layers in a warming ocean. Ocean acidification due to rising CO2 levels may particularly affect corals with calcified skeletons and result in substantial changes of the benthic communities at seamounts. Both, pelagic and benthic communities, may be impacted by the expansion of oxygen minimum zones in the tropical oceans. Potential effects of changes in the ocean circulation system can currently not be predicted.