(bis heute stehen 450 klimarelevante wissenschaftliche Artikel zur Verfügung)

Eis der Erde – Buch Kap.4.10

Gletscher Südamerikas – José L. Lozán & Dieter Kasang (Universität Hamburg)

Kurzfassung: In Südamerika unterscheidet man zwei Gletschergebiete: a) die tropischen Gletscher in Peru, Bolivien, Ekuador, Kolumbien und Venezuela und b) diejenigen in Patagonien und auf Feuerland (Südchile und -argentinien). Die Gletschergebiete unterliegen sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Die Fläche der südamerikanischen Gletscher wurde Mitte der 1970er Jahre auf ca. 25.000 km² geschätzt. Etwa 10% davon liegen im tropischen Gebiet. Sie sind dort ökonomisch sehr wichtig, vor allem für die Wasserversorgung. Die tropischen Gletscher gehören überwiegend zu den sog. warmen Gletschern, das heißt, ihre Eistemperatur befindet sich am Druckschmelzpunkt. Sie reagieren daher auf Temperaturänderung relativ kurzfristig und sind schnelle Indikatoren für Klimaschwankungen. Während des ganzen Jahres gibt es in den tropischen Anden Bedingungen, die eine Ablation zulassen. In anderen Regionen wie in den Alpen, sind die Wintermonate durch Akkumulation und die Sommermonate durch Ablation bestimmt. In den tropischen Anden können im Sommer beide Prozesse – maximale Ablation und maximale Akkumulation – stattfinden. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass die Niederschläge meistens in den Sommermonaten fallen, wenn die Insolation maximal ist. Alle Wissenschaftler stimmen darin überein, dass sich die tropischen Gletscher seit 40 Jahren mit einer Geschwindigkeit ohne Beispiel während der letzten drei Jahrhundert zurückgezogen haben. Der Hauptgrund liegt in der globalen Erwärmung; daneben spielt für kürzere Zeiträume auch die El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO) im Pazifik eine wichtige Rolle. Wie Berechnungen mit Hilfe von Klimamodellen zeigen, kann aufgrund der zu erwartenden Erwärmung von 4-5 °C davon ausgegangen werden, dass der größte Teil der tropischen Gletscher bis 2100 verschwunden sein wird. In den südlichen Anden unterscheidet man vier vereiste Gebiete: Die nördlichen Patagonischen Anden, das Nord- und das Südpatagonische Eisfeld sowie die Cordillera Darwin auf Feuerland, von denen das Südpatagonische Eisfeld mit Abstand das größte ist. Während die tropischen Gletscher primär durch vom Atlantik stammende Niederschläge beeinflusst werden, kommt der Hauptniederschlag nach Patagonien durch Westwinde vom Pazifik und prägt an der Küste das maritime Klima; die Ostseite der Anden ist jedoch relativ trocken. Die Anden verlieren nach Süden hin ab 35° S an Höhe und liegen mit wenigen Ausnahmen unter 3.000 m. Die mittlere Temperatur nimmt nach Süden ab und die starken Niederschläge bewirken die Bildung von großen Gletschern. Auch die Gletscher der südlichen Anden zeigen ein starkes Abschmelzen in den letzten Jahrzehnten, das allerdings ca. 10 Jahre später als in den tropischen Anden einsetzte. Auch für den Rückgang der Gletscher in den südlichen Anden wird die globale Erwärmung als Hauptgrund angesehen. Daneben spielen in Einzelfällen möglicherweise abnehmende Niederschläge und bei kalbenden Gletschern die Beschaffenheit des Untergrundes eine Rolle.
The South America Glacier: There are two glaciated areas in South America a) the tropical glaciers in Peru, Bolivia, Ecuador, Colombia and Venezuela, and b) those in Patagonia and Tierra del Fuego (southern Chile and -Argentina). They are subject to very different climatic conditions. The total area of the South American glaciers was estimated in the mid-1970s to be approximately 25,000 km². About 10% are located in the tropical region. They are there economically very important, especially for water supply. The tropical glaciers belong mainly to the so-called warm glaciers, that is, their ice temperature is located at the pressure melting point. They react therefore in a relatively short time to temperature change and are quick indicators of climate change. Throughout the year there are conditions in the tropical Andes that allow ablation. In other regions such as the Alps, the winter months are determined by the accumulation and the summer months by ablation. In the tropical Andes both processes – maximum ablation and maximum accumulation – can take place during the summer. The reason for this is the fact that the rainfall usually occurs during the summer months, when the insolation is at its maximum. Scientists agree that the tropical glaciers have retreated for 40 years at a rate without precedent during the last three centuries. The main reason lies in global warming; beside that El Niño-Southern Oscillation (ENSO) in the Pacific plays for an important role for short time periods. According to the climate projection, it can be assumedthat, due a warming of 3-4 °C, most of the tropical glaciers will be gone by 2100. In the southern Andes we can distinguish four glaciated areas: the northern Patagonian Andes, the North and the South Patagonian ice areas as well as the Cordillera Darwin in Tierra del Fuego. From these, the South Patagonian ice area is by far the largest. While the tropical glaciers are primarily influenced by the rainfall from the Atlantic, westerly winds bring from the Pacific Ocean the main precipitation to Patagonian and determine the maritime character of the climate in the coastal zone; contrary to that, the eastern side of the Andes is relatively dry. The Andes are, with few exceptions, below 3,000 m high south of 35 °S .. The mean temperature decreases and heavy rainfall simultaneously cause the formation of large glaciers. They show as well a strong melting in recent decades, however, about 10 years later than in the tropical Andes. Also for the retreat of glaciers in the southern Andes global warming is seen as the main reason. An additional role can be played by the decreasing precipitation in some cases as can the nature of the surface for calving glaciers.