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Eis der Erde – Buch Kap.2.5

  Anthropozän – Das Ende des Eiszeitalters? – Henrik Rother (Universität Greifswald)

Kurzfassung: Durch den Menschen verursachte Veränderungen des globalen Klimas sowie der Beschaffenheit der Erdoberfläche, der Ozeane und der Biosphäre haben ein solches Ausmaß erreicht, dass viele Wissenschaftler die Erde am Übergang in ein neues geologisches Zeitalter, das Anthropozän, sehen. Die neue Epoche wird markiert durch zahlreiche Umweltindikatoren, die spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts weit außerhalb ihrer natürlichen holozänen Schwankungsvariabilität liegen. Dazu zählen vor allem Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre und der Ozeane durch anthropogene Emissionen gewaltiger Mengen CO2 und CH4, die Freisetzung industrieller Schadstoffe sowie die Bildung und Freisetzung künstlicher Radionuklide durch die Explosion von über 500 Atombomben in der Atmosphäre zwischen 1945 und 1963. Hinzu kommen weitreichende Veränderungen in der Qualität ökologischer Lebensräume mit drastischen Folgen für die globale Biodiversität. Stratigraphisch resultieren diese Modifikationen in anthropogenen Marker-Horizonten mit charakteristischen lithologischen, geochemischen und paläobiologischen Signaturen, die weit in die geologische Zukunft der Erde erhalten bleiben werden. Als Beginn des Anthropozän und mögliche stratigraphische Grenze wird das Einsetzen der Industrielle Revolution um 1800 in Betracht gezogen. Bislang fehlt jedoch eine Einigung zur Bestimmung der Basis des Anthropozän und die 2008 beantragte formale Anerkennung als chronostratigraphische Einheit durch die International Commission on Stratigraphy (ICS) steht noch aus. Das folgende Kapitel fasst den aktuellen Stand der Debatte zu den Schlüsselindikatoren und zur Chronologie des Anthropozäns zusammen.
Anthropocene: The end of the Ice Age ? Human-induced modifications of the Earth’s climate, land surface, oceans and biosphere have become so substantial that many scientists suggest that the Earth is at the transition to a new geological epoch, i.e. the Anthropocene. In this era numerous environmental indicators have shifted beyond the range of their natural Holocene variability at least since the middle of the 20th century. These include changes of the chemical composition of the atmosphere and the oceans through anthropogenic emissions of huge amounts of CO2 and CH4, the release of large amounts of industrial contaminants, as well as the formation and release of artificial radionuclides from the explosion of more than 500 atom bombs in the atmosphere between 1945 and 1963. In addition far-reaching changes of the quality of ecological habitats have significant effects on the global biodiversity. These modifications cause stratigraphic ‘marker horizons’ with distinct lithological, geochemical and palaeobiological signatures, which will be preserved far into Earth’s geological future. The start of the Industrial Revolution around 1800 has been suggested to indicate the onset of the Anthropocene and a possible stratigraphic boundary. However, so far no agreement has been reached on the determination of the basis of the Anthropocene, and the International Commission on Stratigraphy (ICS) has not yet formally accepted it as a chronostratigraphic entity (application of 2008) and possible stratigraphic boundary. The following chapter summarizes the current state of the debate on the key indicators and the chronology of the Anthropocene.