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Warnsignal Klima: GESUNDHEITSRISIKEN – GEFAHREN FÜR PFLANZEN, TIERE & MENSCHEN

Kap.1 Der Klimawandel und die bioklimatischen Wirkungskomplexe

1.1  Der Klimawandel ist voll im Gange: Ein Überblick

Erich Roeckner & Daniela Jacob – Max Planck Institut für Meteorologie, Hamburg


 

Zusammenfassung: Der Klimawandel ist voll im Gange: Ein Überblick – Nach dem fünften Sachstandsbericht des IPCC ist die globale Mitteltemperatur in den vergangenen drei Jahrzehnten ungewöhnlich schnell gestiegen. Ein Großteil dieser Erwärmung kann auf menschliche Aktivititäten zurückgeführt werden. Über den Kontinenten ist die Erwärmung größer als über den Ozeanen. Besonders ausgeprägt ist sie jedoch in hohen nördlichen Breiten. Dies ist verbunden mit einem rapiden Rückgang der sommerlichen Meereisbedeckung in der Arktis, einem Rückgang der kontinentalen Schneebedeckung sowie einer geringeren Ausdehnung der Permafrostgebiete. Im 21. Jahrhundert werden sich diese Änderungen noch verstärken, sollten die anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen unvermindert zunehmen. Auf der Basis von Modellprojektionen unterschiedlicher Szenarien wird bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine Erwärmung von 1.0 ± 0.7 Grad im moderaten RCP2.6 Szenario bis hin zu 4.1 ± 1.6 Grad im »business as usual« RCP8.5 Szenario erwartet. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Niederschlagsintensität sowie das Überschwemmungsrisiko in den meisten Regionen zunehmen, ebenso die Länge von Trockenperioden. Der Gegensatz zwischen trockenen und feuchten Klimazonen wird sich verstärken. Mit Hilfe hochauflösender Regionalmodelle können regionale Details besser als in globalen Modellen dargestellt werden. Dies ist besonders wichtig in Gebirgsregionen wie den Alpen z.B., in denen globale Modelle wegen der zu groben Gitterauflösung (ca. 200 km) nicht in der Lage sind, orographisch erzeugten Niederschlag oder die saisonale Schneebedeckung realistisch zu simulieren. Mithilfe eines »2-Schritt-Nesting-Verfahrens« (50 km Gitterabstand für Europa, 10 km für Mitteleuropa) konnte die Schneebedeckung der Alpen recht gut erfasst werden. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts wird sich die dortige Schneebedeckung drastisch reduzieren, als Folge geringerer Schneefälle und verstärkter Schneeschmelze durch die höheren Temperaturen.

Summary: Climate change in progress – An overview – According to the Fifth Assessment Report of the IPCC an unprecedented increase in global temperature has been observed during the last three decades, and most of this warming can be attributed to human activities. The warming is larger over the continents than over the oceans and most pronounced at high northern latitudes – in accordance with a substantial decrease in the extent of sea ice, snow and permafrost. In the 21st century these changes will accelerate if greenhouse gas emissions increase unabetedly. Based on climate model projections of different scenarios, a warming between 1.0 ± 0.7 degree in the modest RCP2.6 scenario and 4.1 ± 1.6 degree in the »business as usual« RCP8.5 scenario can be expected until the end of this century. The precipitation intensity and risk of flooding will increase in most regions, the length of dry spells will increase nearly world-wide, and the contrast between dry and wet climate zones will be more pronounced. Dynamical downscaling can provide more detailed information on the regional scale. This is particularly important in mountaineous regions where global models are too coarse to realistically capture orographic precipitation and snow amount, for example. Using a two-step nesting approach (50-km resolution for Europe, 10km for Central Europe) our regional model, by the end of this century, predicts a substantial retreat of the snow covered area in the Alps caused by both reduced snowfall and enhanced melting.

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