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Warnsignal Klima: GESUNDHEITSRISIKEN – GEFAHREN FÜR PFLANZEN, TIERE & MENSCHEN

Kap.3 Aktuelle und potenzielle Gefahren für die Gesundheit

3.2 Indirekt durch Krankheitsüberträger (VEKTOREN)

3.2.14  Frühsommer-Meningoenzephalitis und Klimawandel

Gehard Dobler, Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, München
Martin Pfeffer, Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen, Universität Leipzig


 

Zusammenfassung: Frühsommer-Meningoenzephalitis und Klimawandel – Seit einigen Jahrzehnten weisen durch Zecken übertragene Infektionen, allen voran die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose, eine zunehmende medizinische Bedeutung in Europa und in anderen Teilen der Erde auf. Eine Reihe neuer, durch Zecken übertragener bakterieller und viraler Infektionen wurden in den vergangenen Jahren entdeckt und die medizinische Bedeutung dieser neuen Infektionen wird erst langsam verstanden. Als ein wichtiger Grund für die Zunahme der durch Zecken übertragenen Virusinfektionen und das Auftreten neuer Infektionen wird immer wieder der Klimawandel und die damit in Zusammenhang stehenden lokalen und globalen meteorologischen Phänomene genannt. Diese Faktoren beeinflussen direkt oder indirekt eine Reihe von wichtigen Faktoren im natürlichen Übertragungszyklus dieser Viren, u.a. die tägliche und saisonale Aktivität der Zecken und deren Wirtsfindungs-Aktivitäten, jedoch auch die Populationsstrukturen der Wirbeltierwirte des FSME-Virus und deren Aktivität. Damit steht der natürliche Übertragungszyklus des FSME-Virus wie auch der anderer Zecken-übertragener Viren unter dem Einfluss klimatischer Faktoren. Ein anderer, möglicherweise wichtiger Faktor wurde dagegen bisher weitgehend außer Acht gelassen, nämlich der Einfluss der Umgebungstemperatur auf das FSME-Virus in der Zecke selbst, als poikilothermen Tieren, die ihre eigene Temperatur der Umgebungstemperatur anpassen müssen. Veränderungen in der Zecken-Ausbreitung und der Zeckenaktivität werden aktuell insbesondere an den nördlichen Verbreitungsgrenzen der Zecken und des FSME-Virus beobachtet. Namentlich in Schweden, in Finnland und in Russland konnte in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine deutliche Ausweitung der Verbreitungsgebiete von Ixodes ricinus und dem dadurch übertragenen FSME-Virus in nördlicher Richtung verfolgt werden. In Mitteleuropa werden Ixodes ricinus und das dadurch übertragene FSME-Virus vermehrt in größeren Höhen insbesondere in den Mittelgebirgen beobachtet. Allerdings zeigen hier die Untersuchungen bisher keinen klaren Trend einer Ausbreitung der bekannten FSME-Endemiegebiete an. Damit scheinen die Zeckenaktivität und die Aktivität des FSME-Virus in Mitteleuropa momentan weniger durch den Klimawandel als durch meteorologische Faktoren und deren Einfluss auf die Nagetierpopulationen als Wirbeltierwirte des FSME-Virus beeinflusst zu werden.

Summary: Tick-borne encephalitis and climate change – Over the past decades several tick borne diseases, among them tick-borne encephalitis (TBE), Lyme Borreliosis, ehrlichiosis and anaplasmosis have become a growing public health problem in Europe and other parts of the world. Several new tick-borne viruses emerged and now play an important role in the respective area. One important reason for this new occurrence and the changing epidemiology of tick-borne diseases and especially TBE may be the global climatic changes and related meteorological local and global phenomena. These factors directly influence the daily and seasonal activity of ticks, their host finding activities, but also the activity and population structure of the vertebrate hosts of TBE virus. Therefore, for TBE virus as for other tick-borne viruses climatic factors influence their arthropod vector and their vertebrate hosts. Furthermore, the influence of changing ambient temperature on the TBE virus in poikilothermic animals so far has not been studied. The recent climatic changes have also substantially changed the tick activities and therefore the occurrence of human TBE cases. These changes seem to be especially prominent in the extreme distribution areas of the TBE virus. In Scandinavia and Russia a clear spread to more northern areas has been observed during the last years. But also in Central Europe ticks and TBE virus can be found in higher altitudes of the Bavarian and Bohemian Forest and also the Alp. However, so far no clear trend in the extendt of the transmission period in the well-known natural foci of TBE virus can be detected. Here the activity of ticks and also TBE virus in ticks seem not to be associated with long-term climatic changes but mainly be influenced more by individual meteorological factors and also by the varying rodent populations.

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