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Warnsignal Klima: GESUNDHEITSRISIKEN – GEFAHREN FÜR PFLANZEN, TIERE & MENSCHEN

Kap.3 Aktuelle und potenzielle Gefahren für die Gesundheit

3.2 Indirekt durch Krankheitsüberträger (VEKTOREN)

3.2.16  Gnitzen (Ceratopogonidae) als Überträger von sich ausbreitenden Infektionserkrankungen bei Tieren

Helge Kampen, Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Insel Riems
Doreen Werner, Institut für Landnutzungssysteme, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V., ZALF, Müncheberg


 

Zusammenfassung: Gnitzen (Ceratopogonidae) als Überträger von sich ausbreitenden Infektionserkrankungen bei Tieren – Hämatophage Arten der Ceratopogoniden-Gattung Culicoides sind Vektoren zahlreicher Krankheitserreger, insbesondere von Vertebraten-pathogenen Viren. Die Erreger der zwei wichtigsten Infektionen, Blauzungenkrankheit und Afrikanische Pferdesterbe, werden, global betrachtet, im Wesentlichen von Culicoides imicola übertragen. Diese Gnitzen-Art afroasiatischer Herkunft hat sich erst in den 1980er Jahren im Mittelmeerraum etabliert; aperiodische Ausbrüche der Blauzungenkrankheit folgten dort seit 1998. Sowohl der Vektor als auch die Krankheit scheinen sich nach Norden auszubreiten, vermutlich als Konsequenz der Klimaerwärmung. Culicoides imicola war jedoch nicht am Blauzungenausbruch 2006 in Mitteleuropa beteiligt, wo einheimische Gnitzen für die Virusübertragung verantwortlich waren. Dieselben Culicoides-Arten sind möglicherweise in die Epidemiologie der Schmallenberg-Krankheit eingebunden, die durch ein 2011 neu entdecktes Virus verursacht wird. Informationen über die Biologie und Ökologie der einheimischen Gnitzen-Arten sind spärlich, so dass eine Abschätzung ihrer Vektorrollen oder sogar Vorschläge von Maßnahmen zum Seuchenmanagement, die mit der Vektoraktivität und ‑biologie interferieren, problematisch sind. Während eine intensivere Erforschung der europäischen Gnitzenfauna gerade erst begonnen hat, ist zu befürchten, dass die Klimaerwärmung zu einer weiteren Ausbreitung von C. imicola Richtung Nordeuropa führt und weitere Ceratopogoniden-übertragene Krankheitserreger, wie z.B. das Afrikanische Pferdesterbe-Virus, mit sich bringt.

Summary: Biting midges (Ceratopogonidae) as vectors of spreading infectious diseases of animals – Haematophagous species of the ceratopogonid genus Culicoides are vectors of numerous disease agents, predominantly of viruses pathogenic to vertebrate animals. From a global view, the agents of the two most important infections, bluetongue disease and African horse sickness, are mainly transmitted by Culicoides imicola. This ceratopogonid species of Afroasian origin has established in the Mediterranean only in the 1980s, followed by aperiodic bluetongue epidemics since 1998. Both the vector and the disease appear to be spreading further northwards into Europe, possibly as a consequence of climate change. Culicoides imicola, however, has not been implicated in the 2006 outbreak of bluetongue disease in central Europe, where indigenous biting midges were responsible for virus transmission. Probably the same culicoid species are involved in the epidemiology of Schmallenberg disease which is caused by a virus newly discovered in 2011. Information on the biology and ecology of the indigenous biting midge species is scarce, so it is difficult to assess their various vector roles or to even suggest outbreak management measures interfering with vector activity and biology. While more in-depth research on the European biting midge fauna has just started, it is to be feared that climate change will allow C. imicola to spread towards northern Europe and bring along further ceratopogonid-borne pathogens such as African horse sickness virus.

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