(bis heute stehen 450 klimarelevante wissenschaftliche Artikel zur Verfügung)

Warnsignal Klima: GESUNDHEITSRISIKEN – GEFAHREN FÜR PFLANZEN, TIERE & MENSCHEN

Kap.4 Sozio-ökonomische Aspekte: Gewinner und Verlierer

4.4  Konsequenzen für die landwirtschaftliche Produktion und Landschaftsökologie

Frank Eulenstein, Armin Werner & Andreas Fischer
Leibniz Zentrum für Agrar­land­schafts- und Landnutzungsforschung (ZALF), Münchberg


 

Zusammenfassung: Konsequenzen für die landwirtschaftliche Produktion und Landschaftsökologie – Der Klimawandel in Mitteleuropa wird zu einer Veränderung der jährlichen Niederschlagsverteilung und zu einer Erhöhung der Temperaturen führen. Die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion wird dabei regional sehr unterschiedlich sein. In Deutschland werden die Erträge landwirtschaftlicher Kulturen wesentlich von den Niederschlägen im Sommerhalbjahr und zum Teil auch von denen im Winterhalbjahr bestimmt. Während in Nordostdeutschland die Niederschlagsmengen, im Zuge des Klimawandels, in den nächsten Dekaden, im Sommerhalbjahr, sinken, können in Teilen Westdeutschlands die Niederschlagsmengen durchaus ansteigen. Durch die ansteigenden Temperaturen im Sommerhalbjahr, steigt auch die Verdunstung. Dies kann bei geringer Wasserspeicherkapazität der meist sandigen Böden zu erheblichen Problemen in der landwirtschaftlichen Produktion in Nordostdeutschland führen. Diese Auswirkungen des Klimawandels wurde in Szenarien abgeschätzt, wozu Pflanzenwachtumsmodelle eingesetzt wurden. Die Folgen reduzierter Niederschlagsmengen in der Vegetationsperiode und infolge steigender Temperaturen, ansteigender Verdunstungsraten wird zum teil ausgeglichen durch steigende CO2- Konzentrationen in der Atmosphäre. Aus diesem Grund wird auch in Nordostdeutschland die Auswirkungen des Klimawandels auf die Erträge landwirtschaftlicher Kulturen weniger dramatisch als erwartet. Aus den Simulationen ergeben sich Ertragsrückgänge zwischen 0,33% (Sommerroggen) und 9,42 % (Kartoffeln).

Die größte Auswirkung des Klimawandels auf die Landnutzungssysteme wird die Produktion von Sickerwasser sein. Die Sickerwassermenge unter Ackerflächen wird von 143 mm/Jahr in der Referenzperiode (1993-2001) auf 12mm/Jahr für den Zeitraum des Klimawandel-Szenarios (2046-2054) sinken. Es ist zu erwarten, dass der »globale Wandel« auf dem Weltmarkt für Agrarprodukte neben dem Klimawandel Auswirkungen auf die regionale Pflanzenproduktion haben wird. Eine weitere Konsequenz des Klimawandels bei gleichzeitigem Anstieg der Weltbevölkerung und deren Nachfrage nach Agrarerzeugnissen ist, dass eine Vermehrung der Anbaufläche für Agrarprodukte einen dramatischen Landnutzungswandel und eine Steigerung der Intensität der Produktion nach sich zieht. Diese Veränderung der pflanzenbaulichen Produktionssysteme wird sicherlich mit negativen ökologischen Folgen verknüpft sein.

Summary: Consequences for agricultural production and landscape ecology – Climate change in Central Europe will lead to new patterns of precipitation during the year and will increase annual temperature. These changes of climatic variables and the resulting impacts onto agricultural productivity have to be differentiated regionally. In Germany the crop production is depending on sufficient rainfall during the summer time and in some regions on the amount of rain during winter period. In North-East Germany the amount of rainfall in summer will be reduced due to climate change in the next decades whereas in West Germany the precipitation will increase substantially. Due to additionally increasing summer temperatures and low water holding capacity of the soils in North-East Germany the agricultural production can suffer strongly. The impact of climate change was studied with scenarios, using crop simulation models. The effects of reduced summer precipitation and elevated air temperature will in part be compensated by to be expected elevated concentration of CO2. Therefore the impact of changed climatic conditions in North-East Germany until 2100 is less drastic onto crop yields. The expected losses ranged between 0,33% (summer rye) and 9,42% (potatoes). The strongest impact of climate change onto land use is calculated in the production of seepage water. The drainage rate below arable crops will drop from 143 mm/year in the reference period (1993–2001) down to 12 mm/year in the climate change scenario (2046–2054). Besides the impact of climate change onto regional crop production the global changes will affect heavily the world markets on agricultural products. Another consequence driven by climate change and the population increment is a higher demand of agricultural products in global markets. This will provoke dramatic local land use changes and intensification of agriculture, modifying present crop production systems and affecting ecological landscapes.

« zurück