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Wetterextreme_Kap.2.5

Entrar

2.5 Mehr milde Winter im Wattenmeer: Was folgt daraus für das Ökosystem?

Karsten Reise & Dagmar Lackschewitz

Mehr milde Winter im Wattenmeer: Was folgt daraus für das Ökosystem? Strenge Eiswinter bedeuten für die Ökologie des Wattenmeeres ein Extremereignis. Frost löst Massenflucht bei Vögeln und Fischen und Massensterben bei Bodentieren aus. Die Eisschollen wirken in der Gezeitenströmung auf den Wattboden wie schwere Hobel. Jedoch wachsen nach eisigem Winter starke Jahrgänge der Wattmuscheln heran. Der extreme Winter dezimiert die Fresser der Muschelbrut, vorwiegend Krebse. Für Vögel und Fische wird das Wattenmeer dadurch in den Jahren danach besonders nahrungsreich. Früher gab es ein bis zwei solch strenger Eiswinter pro Jahrzehnt, in den letzten 5 Jahrzehnten aber nur noch wenige und die nicht mehr so streng. Bleiben diese künftig ganz aus, könnte das Nahrungsangebot für Vögel und Fische im Wattenmeer abnehmen. Aber solche Prognosen sind gewagt. Außer der Erwärmung verändert sich das ökologische Zusammenspiel auch noch durch eingeschleppte Arten aus Übersee.

More mild winters in the Wadden Sea: What happens to the ecosystem? Severe winters with ice cause dramatic breaks in the ecology of the Wadden Sea. Freezing initiates mass escapes in birds, fish descend to deeper waters, and many bottom animals die. Ice floes plough with the tides through sediments and disrupt benthic fauna. In the summer following an extreme winter, strong year-classes of tidal flat shellfish arise. Crabs and shrimp, the main predators on shellfish spat, were diminished by the winter. Their absence enriches the tidal flat foraging grounds for birds and fish in subsequent years. Formerly, one to two severe ice winters occurred per decade, while in the last 5 decades cold winters were few and less strong. If severe winters will fail to happen, food supply for birds and fish might decline. However, caution is advised with ecological projections in this regard. In addition to climate warming, also introduced species from overseas alter the ecological web with novel interactions.