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Wetterextreme_Kap.6.6

6.6 Dynamische Ursachen der extrem kalten Winter während der »Kleinen Eiszeit« in Europa

Johann H. Jungclaus, Eduardo Moreno-Chamarro & Jürg Luterbacher

Dynamische Ursachen der extrem kalten Winter während der »Kleinen Eiszeit« in Europa: Klimarekonstruktionen der vergangenen Jahrhunderte weisen darauf hin, dass die relativ kalte Periode vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert in Europa besonders stark im Winter und im frühen Frühling ausgeprägt war. Während verschiedene Theorien für die generelle Abkühlung hin zur »Kleinen Eiszeit« existieren, fehlte bisher eine Erklärung für die saisonale Asymmetrie im europäischen Klima. Mit Hilfe von Klimamodellsimulationen demonstrieren wir hier, dass ein komplexes Zusammenspiel zwischen Ozean- und Atmosphärenzirkulation und der Meereisbedeckung in hohen nördlichen Breiten zu lang anhaltenden winterlichen Wetterlagen über Nordeuropa führen kann. Die Modellergebnisse stimmen dabei gut mit Klimarekonstruktionen überein. Am Beispiel von Stockholm wird gezeigt, dass sich die Winter der Kleinen Eiszeit vor allem durch die Anzahl und Länge der Frostperioden von der Situation im 20. Jahrhundert unterschieden.

Dynamical origin of extreme winter conditions during the Little Ice Age in Europe: Climate reconstructions indicate that the cold anomalies characterizing Europe’s climate from the 16th to the early 18th century were particularly severe during winter and early spring. While several theories exist explaining the general cooling from the Middle Ages to the »Little Ice Age«, an explanation for the seasonal asymmetry in European climate is still lacking. Using climate model simulations covering the last millennium we discuss here a mechanism that involves a complex interplay between ocean and atmosphere circulation and changes in ice-cover in high latitudes. The simulations show good agreement with climate reconstructions and documentary observations. Using Stockholm as an example we demonstrate that the Little Ice Age winter differed from today’s climate mainly in the number and temporal extension of frost conditions.