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Wetterextreme_Kap.7.8

7.8 Dürren und Wasserknappheit: Gefahr von Kriegen?

P. Michael Link

Dürren und Wasserknappheit: Gefahr von Kriegen? Eine ausreichende Trinkwasserversorgung ist in praktisch allen Teilen der Welt ein grundlegender Faktor für Sicherheit und individuelles Wohlergehen. Gesellschaftliche Stabilität kann stark in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn Wasser durch überhöhten Konsum, aufgrund starker Nachfrage oder durch ein reduziertes Angebot in Folge von geringeren Niederschlagsmengen oder Dürren knapp wird. Allerdings ist ein erhöhtes Risiko von bewaffneten Konflikten keine notwendige Folge von Wasserknappheit, da die Zusammenhänge zwischen Wasserverfügbarkeit und Gewaltkonflikten viele Facetten hat. Diese müssen im Klimawandel-Wasser-Konflikt-Nexus im Zusammenhang betrachtet werden, um Aussagen darüber treffen zu können, ob durch geringere Wasserverfügbarkeit das Risiko bewaffneter Konflikte immanenter wird. Wenn Wasserressourcen wie z.B. bei grenzüberschreitenden Flüssen von mehreren Anrainern geteilt werden, ist es eine besondere Herausforderung, Konflikte zu vermeiden. Gegenwärtig wird das Wasser der meisten grenzüberschreitenden Flüsse gemeinsam von den Anrainern verwaltet. Dennoch ist es in Zeiten des Klimawandels nicht ausreichend, einfach jedem Staat eine bestimmte Wassermenge zuzubilligen. Mit Hilfe eines analytischen Bezugssystems können die wesentlichen Aspekte und kritischen Zusammenhänge des Klimawandel-Wasser-Konflikt-Nexus identifiziert werden. Diese umfassen nicht nur physische, sondern auch sozio-ökonomische Zusammenhänge zwischen Wasserverfügbarkeit und Konflikt oder Kooperation. Ein solches Schema kann angewendet werden, unabhängig davon, ob die Wasserressourcen von mehreren Staaten geteilt werden oder sie einem Staat exklusiv zur Verfügung stehen. Fallbeispiele vom Nil und der Dürre in Somalia zu Beginn diesen Jahrzehnts zeigen, wie das analytische Bezugssystem angewandt werden kann und welche Aussagen über die doch zum Teil gravierenden Auswirkungen von geringerer Wasserverfügbarkeit auf soziale Stabilität möglich sind.

Drought and water scarcity: Danger of wars? Adequate fresh water supply is a key factor affecting human security practically all over the world. Societal stability can be adversely affected if water scarcity becomes more pronounced because of excessive consumption from increased demand or reduced supply due to decreased precipitation or drought. However, it is by no means clear that increased water scarcity necessarily leads to an increased risk of armed conflict as the relationship between water availability and violent conflict is complex. There are several important aspects that need to be considered in the climate change-water-conflict nexus that determine whether decreased water availability causes the onset of armed conflict to be more immanent. If the water resource is shared, like in transboundary river systems, special care needs to be taken to avoid conflict. Most international river basins are already jointly managed by the riparians. Nonetheless, merely relying on adequate allocation schemes is insufficient for successful management in times of climate change. An analytical framework can help identify the critical issues and relationships in the climate change-water-conflict nexus, which include physical as well as socio-economic pathways between water availability and conflict or cooperation, and which can be applied regardless whether water resources are shared between countries or not. A case study of the Nile River shows how such a framework can be implemented for shared water resources. Even if water resources are not shared internationally, droughts can have severely detrimental effects on societal stability. This is addressed using the case study of the severe drought in Somalia at the beginning of this decade.