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– Zecken auch in der Stadt

Eine Gesundheitsgefahr nimmt zu

Zecken sind je nach Region mehr oder weniger häufig Träger von Erregern verschiedener Krankheiten und stellen damit ein oft hohes Übertragungsrisiko für Mensch und Tier dar. Die häufigsten sind die Hirnhautentzündung oder Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME, Erreger: Virus der Familie der Flaviviridae) und die Lyme-Borreliose (Erreger: das Schraubenbakterium Borrelia burgdorferi). Gegen FSME gibt es eine Schutzimpfung, die in der Regel von den Krankenkassen bezahlt wird. Gegen Borrelia leider gibt es noch keine prophylaktische Impfung. Die Verbreitung der Zecken nach Norden wird durch die globale Erwärmung und die milden Winter begünstigt. Es gibt mehrere Zeckenarten. Die häufigste bei uns ist Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock, Foto).

Abb.1: Zecke während der Blutmahlzeit (Foto: Jochem Süß)

Abb.1: Zecke während der Blutmahlzeit (Foto: Jochem Süß)

 

Nicht nur Waldbesuchern droht eine Infektion. Auch in Parks, Gärten und anderen Grünanlagen der Städte findet man Zecken. Hintergrund sind die Zunahme geeigneter Schutzstellen in der Vegetation und die Präsenz von Wirtstieren wie Mäusen, Ratten, Igeln oder auch Vögel, auf denen die Parasiten sitzen. Die Gärten werden heute naturnaher belassen; sie sind schöner, aber die Risiken erhöhen sich. Zecken sind Parasiten von landlebenden Wirbeltieren. Sie ernähren sich vorwiegend von Blut, nehmen dabei ähnlich wie die Stechmücken von ihren Wirten Mikroorganismen wie Viren und Bakterien auf und übertragen sie später auf andere Wirte.

Neuere Untersuchungen haben jetzt Erkenntnisse über weitere von Zecken übertragene Erreger erbracht. Dazu gehören

  • Coxiella burnetii, der Erreger des Q-Fiebers, eine mit Pneumonie und Hepatitis einhergehenden Infektion,
  • verschiedene Rickettsien-Arten, die Verursacher von Zeckenstichfiebern,
  • Anaplasma (früher Ehrlichia) phagocytophilum, Auslöser der granulocytären Anaplasmose sowie
  • Babesien, einzellige Parasiten, die eine Malaria ähnliche Erkrankung verursachen können.

Es ist zu erwarten, dass die globale Klimaveränderung auch das Auftreten und Wiederauftreten von Arthropoden assoziierten Erkrankungen beeinflussen wird. Die Kenntnis der Prävalenz von Infektionserregern in Zecken und Reservoirwirten ist daher eine wesentliche Voraussetzung zur Kontrolle humaner Erkrankungen.

 

Entfernen Sie richtig die Zecken!

Nach einem Zeckenbiss ist es sehr wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen, da die Wahrscheinlichkeit für die Übertragung von Krankheitserregern mit der Dauer des Saugaktes zunimmt. Benutzen Sie dazu möglichst eine Spitzpinzette. Dabei ist darauf zu achten, dass der Zeckenkörper nicht gequetscht wird, weil dadurch Erreger aus Darm oder Speicheldrüse der Zecke in die Wunde gepresst werden könnten. Auch von der Anwendung von Substanzen wie Alkohol oder Öl zur Entfernung der Zecke muss abgeraten werden, da bei dieser Vorgehensweise die Sekretion von Erregern durch die Zecke in die Stichwunde nicht ausgeschlossen werden kann.

 

Abb. 2: Schematische Darstellung der Zeckenentfernung (aus Fingerle et al. Kap.3.2-13)

Abb. 2: Schematische Darstellung der Zeckenentfernung (aus Fingerle et al. Kap.3.2-13)