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SOS aus dem Baikalsee

Klimawandel und Umweltverschmutzung bedrohen den Baikalsee

Der Baikalsee (im Deutschen wie im Russischen oft nur Baikal genannt) liegt auf asiatischem Gebiet der Russischen Föderation (Sibirien). Er ist mit 1.642 Metern der tiefste und mit mehr als 25 Millionen Jahren der älteste Süßwassersee der Erde. Seine Fläche beträgt ca. 31.500 km² und er liegt auf einer Höhe von  455,5 m über dem Meeresspiegel. Der See erstreckt sich von Südwesten bis Nordosten über 673 km und ist im Durchschnitt 48 km breit. Der Baikalsee bildet weltweit das größte Reservoir flüssigen Süßwassers. Das ist global gesehen 1/5 der flüssigen Süßwasserreserven an der Erdoberfläche. Der Baikal hat ein Volumen von 23.615,39 km³, also etwa den 480-fachen Wasserinhalt des Bodensees. Sein Einzugsgebiet umfasst mit seinen Zuflüssen etwa 571.000 km². Das ist also größer als Deutschland (357.168 km²). Gespeist wird der Baikalsee von 336 Flüssen. Die Oberfläche der 5 Großen Seen Kanadas (Lake Erie, Huron, Michigan, Superior and Ontario) ist mit etwa 244.300 km² über siebeneinhalbmal größer als der Baikal; sie enthalten aber knapp das gleiche Süßwasservolumen. Der Kaspische See gilt mit 386.400 km² und 78.700 km³ Wasservolumen als der größte See der Welt. Sein Wasser ist jedoch nicht zu 100% Süßwasser.

Von hervorragender Bedeutung sind der Baikalsee und seine Umgebung aufgrund seiner einzigartigen Flora und Fauna. Dort leben rund 1.500 Tier- und 1.000 Pflanzenarten, die nur dort vorkommen (endemische Arten). Beispielweise lebt dort die einzige nur im Süßwasser anzutreffende Robbenart, die Nerpa. Seit 1996 gehört die Baikal-Region zum UNESCO-Weltnaturerbe. Aber nicht nur der Klimawandel sondern auch Verschmutzung, häufige Brände und Umweltzerstörung sowie Tourismus bedrohen den Baikalsee. Auch die unkontrollierte Fischerei mit engmaschigen Netzen und die zunehmende Schifffahrt auf dem Baikal stellen dort eine gravierende Beeinträchtigung.

Russische Umweltschützer (Baikalskaja Ekologitscheskaja Wolna – oder kurz Baikalwelle) schlagen Alarm. Alle diese Faktoren lassen den Baikalsee schrumpfen und der Zustand des Sees verschlechtert sich seit Jahren kontinuierlich. Aufgrund der Proteste von Umweltschützern aus Russland und dem Ausland wurde der Trassenverlauf der neuen Ölleitung nach China in letzter Minute korrigiert. Ursprünglich sollte die Pipeline über das Einzugsgebiet des Baikalsees verlegt werden. Die o.g. Umweltorganisation hat auch jahrelang gegen eine Papierfabrik gekämpft, bis sie geschlossen wurde.

Der See dient als Wasserquelle für Privathaushalte, Landwirtschaft und Industrie (u.a. ein großes Aluminiumwerk). Ferner wird Wasser zur Stromerzeugung im Angarafluss verwendet, der das Wasser vom Baikalsee in Richtung Jenissei leitet. Dabei wird Elektrizität für die sibirische Großstadt Irkutsk (ca. 580.000 Einwohner) erzeugt. Mongolei plant am Selenga-Fluss, der als wichtigste Lebensader des Sees gilt, den Bau eines weiteren Staudamms. Dies kann zu einem zusätzlichen Beeinträchtigung des Wasserhaushalts im See und im Delta des Flusses führen; dies ist ein international bedeutsames Feuchtgebiet für Vögel und Fische.

Der Wasserpegelstand ist auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Pegelstand lag nur noch wenige Zentimeter über den “als Minimum zulässigen” 456 m über dem Meeresspiegel. Ursachen sind wahrscheinlich die Abnahme der Niederschläge und vor allem die große Wasserentnahme. Benachbarte Dörfer leiden bereits unter Wassermangel. Daher hat die Regierung von Burjatien (Sibirien) die höchste Alarmstufe ausgerufen.

Mehr unter http://globalvoicesonline.org/2015/05/04/climate-change-is-behind-russias-shrinking-lake-baikal-experts-say (Meldung vom GlobalVoices vom 4.Mai.2015)

Der »Fürst der Seen« schrumpft Jahr für Jahr. Es drohen schwere ökologische Schäden (Meldung aus Neues Deutschland vom 23.1.2015)

 

Abb. Baikalsee (aus https://de.wikipedia.org/wiki/Baikalsee#/media/File:Karte_baikal2.png)

Abb. Baikalsee (aus https://de.wikipedia.org/wiki/Baikalsee#/media/File:Karte_baikal2.png)