(bis heute stehen 450 klimarelevante wissenschaftliche Artikel zur Verfügung)

Was ist der Treibhauseffekt?

Der erhöhte Treibhauseffekt der Atmosphäre

Was ist der Treibhauseffekt?

Wie im Teil „Erwärmung der Erde“ erklärt wurde, „gibt es keinen Zweifel, dass der größte Teil der beobachteten Erwärmung in den letzten 50 Jahren auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen ist“(IPCC 2013). Der Mensch verändert seit Beginn der Industrialisierung die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre sehr stark. Vor allem die Konzentrationen wichtiger klimarelevanter Gase sind seither stark angestiegen.

Was wir als trockene Luft bezeichnen, besteht zu 78,084% aus Stickstoff (N2), zu 20,946% aus Sauerstoff (O2) und zu 0,934 % aus Argon (Ar) aber nur zu weniger als 0,1% aus den klimarelevanten Spurengasen. Hierzu gehören Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Ozon (O3), Distickstoffoxid (N2O) u.a. Diese Gase zusammen mit dem Wasserdampf (H2O) heißen Treibhausgase, weil sie die Sonnenstrahlung (kurzwellige Strahlung) nur leicht geschwächt bis zur Oberfläche vordringen lassen, aber die Wärmestrahlung von der Erdoberfläche nur in wenigen “Fenstern” in den Weltraum entweichen lassen (Abb. 2). Der größte Teil der Wärmestrahlung wird so zur Erdoberfläche zurück geworfen. Dadurch erwärmt sich der untere Bereich der Atmosphäre (die Troposphäre). Dieser Erwärmungseffekt wird Treibhauseffekt genannt (Abb. 1). Ohne ihn betrüge die mittlere Temperatur an der Erdoberfläche nur -18°C statt zurzeit ca. 15 °C. Zu dieser Temperaturerhöhung von ca. 33 °C tragen die Treibhausgase wie folgt bei: Wasserdampf etwa 20,6 °C, Kohlendioxid (CO2) 7,2 °C, Ozon (O3) 2,4 °C, Distickstoffoxid (N2O) 1,4 °C, Methan (CH4) 0,8 °C und die restlichen Treibhausgase 0,6 °C. (Hupfer & Kuttler 2005).

Abb1_TreibhausD

Abb. 1: Globale Energiebilanz der Erde (Angaben in Strahlungsflussdichten, also W/m². Bei Zunahme der Treibhausgase wird mehr Wärmestrahlung zur Erdoberfläche reflektiert (Cubasch & Kasang 2000).

Abb2_GaseAbsorption

Abb. 2: Wellenlängenabhängige Emission der Erde und die Absorptionsbereiche einzelner Gase in der Atmosphäre (nur grobe Angaben); man beachte die logarithmische Skala; a) Die rote Kurve zeigt die theoretische Ausstrahlung der Erdoberfläche ohne Treibhauseffekt. Die blaue Fläche zeigt die tatsächliche Ausstrahlung infolge der Absorption durch die Treibhausgase. b) Rechts ist die wellenlängenabhängige Absorption einzelner Treibhausgase dargestellt (aus Cubasch & Kasang 2000).

Als Folge vor allem der Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl und Gas) aber auch der Abholzung nehmen die Konzentrationen der meisten klimarelevanten Gase zu. So stieg die CO2-Konzentration von 280 ppm am Beginn der Industrialisierung auf jetzt 400 ppm, CH4 von 715 auf 1.820 ppb und N2O von 270 auf 325 ppb. Allein der mittlere Volumenanteil des Kohlendioxids der Atmosphäre zeigt eine Zunahme von 40,7%. Neue Treibhausgase wie die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) sind im Laufe der technischen Entwicklung hinzugekommen. Sie wurden z.B. als Kühlmittel oder Treibsubstanz in Spraydosen verwendet (Abb. 3). Neben der Treibhausgaswirkung schwächen sie außerdem die Ozonschicht in der Stratosphäre. Nach dem mehrfach verschärften Montrealer Protokoll (1986 bis 1992) wurde zum Schutz der Ozonschicht die Produktion von FCKW fast vollständig eingestellt. FCKW wurden deshalb nicht mehr in das Kyoto-Protokoll aufgenommen. Stattdessen fanden Berücksichtigung: PFKW (perfluorierte Kohlenwasserstoffe), HFKW (teilweise halogenierte Kohlenwasserstoffe) und SF6 (Schwefelhexafluorid). HFKW wird häufig als Ersatz für FCKWs verwendet. Seit 1995 wurde in Europa die FCKW-Herstellung und Vermarktung verboten. Das bodennahe Ozon wird nicht emittiert, sondern entsteht in Ballungs- und Industriezentren durch chemische Prozesse in der Luft aus Stickstoffverbindungen und Kohlenwasserstoffen sowie anderer Spurengase. Dieser durch die Erhöhung der Konzentrationen der klimarelevanten Gase in der Atmosphäre resultierende Effekt – zusätzlich zum natürlichen Effekt – wird anthropogener Treibhauseffekt genannt (anthropogen = durch menschliche Aktivität verursacht). Untersuchungen zur Rekonstruktion des Klimas der Vergangenheit zeigen, dass die Konzentration des Kohlendioxids in der Atmosphäre bis zur durch den Menschen verursachten Steigerung mindestens 420.000 Jahren nicht höher als 280 ppmv war (s. Petit et al. 1999 – Nature 399, Seiten 429-436) (Abb. 4).

Abb3_GHG_emission

Abb.3: Entwicklung der Treibhausgase-Emissionen (GHG = greenhouse gases) seit 1970. Alle Angaben beziehen sich auf CO2-Äquivalente, d.h. die Effekte anderer Gase sind in CO2-Äquvalente umgerechnet. Die Emissionen sind von 27 Gt CO2 im Jahre 1970 auf 49 Gt im Jahr 2010 angestiegen. Im Zeitraum 1970-2000 nahmen die Emissionen 1,3% pro Jahr zu. Danach bis 2010 wuchsen sie jährlich um 2.2%. Ab 2012 ist eine Verlangsamung zu beobachten (siehe unten). Den Hauptanteil davon liefert das bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entstehende CO2. FOLU ist die Emissionen aus der Landnutzungsänderung. Hier sind die dabei freigesetzten Gase CO2, CH4 und N2O zusammengefasst. Neben CO2 und CO2-FOLU (76%) tragen CH4 mit 16%, N2O mit 6,2% und die fluorierten Treibhausgase mit 2% (aus IPCC 2013).

 

Die Treibhausgase (CO2, CH4, N2O, O3, FCKWs) haben ein unterschiedliches Treibhauspotential (Global Warming Potential, GWP). Um den gesamten Treibhauseffekt z.B. eines Landes zu berechnen, werden sie in CO2-Äquivalente umgerechnet. So ist CH4 (Methan) etwa 21- und N2O (Lachgas) 300-mal so wirksam wie CO2. So entspricht 1 Kg Lachgas 300 Kg CO2-Äquivalent. Beispielsweise lag die mittlere Pro-Kopf-Emission in Deutschland im Jahr 2011 bei 9.7 t CO2. Berücksichtigt man alle emittierten Treibhausgase, dann waren es 11,2 t CO2-Äquivalent (UBA 2014).

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Abb. 4: Die Graphik zeigt die CO2-Konzentration als Funktion des Alters der eingeschlossenen Luft im Eiskern bei Vostok (Antarktis). Daraus kann man erkennen, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit ca. 420.000 Jahren zwischen 270-280 ppmv in Zwischeneiszeiten und 180 bis 190 ppmv bei intensiver Vereisung lag (aus Eiskern-Untersuchungen nach Petit et al. 1999).

 

Durch Änderung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre verändert sich auch der Energiefluss an der Erdoberfläche. Abb. 5 zeigt die Änderung des Strahlungsantriebs durch anthropogene Gase, Aerosole und Landnutzung sowie der Sonnenenergie gegenüber den Werten von 1750.

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Abb. 5: Strahlungsantrieb durch anthropogene Treibhausgase, Aerosole (direkt und indirekt) und Landnutzungsänderungen seit 1750 (IPCC 2013).

Aerosole können sowohl durch natürliche Vorgänge (Wüstenstürme, Seesalz vom Ozean, Biosphärenteilchen, Vulkanaktivität u.a.) als auch durch menschliche Aktivitäten (Verbrennung von Biomasse und fossilen Brennstoffen) entstehen. Mineralstaub, Sulfate, Nitrate sowie organischer Kohlenstoff wirken abkühlend, Ruß dagegen erwärmend (Abb. 5). Auch die Wolkenbildung kann durch Aerosole geändert werden. In diesem Sinne können Aerosole die kurzwellige Solarstrahlung absorbieren oder reflektieren. Auf die langwellige Wärmestrahlung haben sie dagegen fast keinen Einfluss.

Quellen der Treibhausgase

Hauptquelle der Treibhausgase ist mit etwa 50% die Nutzung fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl und Erdgas). Aus der Chemieproduktion stammen 20% des gesamten weltweiten Ausstoßes. Hier handelt es sich vor allem um die neuen Treibhausgase, wie die sehr langlebigen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Eine weitere wichtige Quelle der global emittierten Treibhausgase ist die zunehmend intensiver betriebene Landwirtschaft mit 15% der Emissionen. Die Vernichtung der Wälder trägt mit weiteren 15% der Emissionen bei (Abb. 6).

Emissionsquelle

Abb. 6: Hauptquellen der emittierten Treibhausgase (Schönwiese, 2013).

Die Wälder wurden schon seit Einführung der Landwirtschaft und Viehzucht im großen Stil gerodet, um Siedlungsraum zu schaffen und Holz als Baustoff zu gewinnen. Vorher dürfte etwa ein Drittel der Landflächen der Erde, etwa 46 Mio. km², bewaldet gewesen sein, heute sind noch etwa 36 Mio. km² mit zum Teil geschädigtem Wald bedeckt. Während auf der einen Seite die Wälder vom Klima abhängig sind, wirken sie auf der anderen Seite vielfältig auf das Klima zurück, nicht zuletzt als Speicher für Kohlenstoff.

Durch die Vernichtung der Wälder verschwinden nicht nur die Bäume, sondern auch die gesamte restliche Vegetation zersetzt sich teilweise. Feuchtgebiete werden trockengelegt. Das im Boden gebundene organische Material (z.B. Humus) wird zumindest teilweise abgebaut. All diese Prozesse setzen CO2 und CH4 frei. Seit 1850 wurden auf diese Weise ca. 20% (117 Mrd. t C) des in der Vegetation gebundenen Kohlenstoffs weltweit freigesetzt. Gleichzeitig gingen wertvolle CO2-Senken wie Feuchtgebiete verloren. Die Landwirtschaft und die intensive Viehhaltung sind wichtige Quellen von CO2, CH4 und N2O. Da die Nahrungsproduktion aufgrund der Wachstumsrate der Weltbevölkerung entsprechend ansteigen wird, ist hier eine weitere Zunahme der Emissionen fast unvermeidbar.

Methan entsteht mikrobiell nicht nur in den Böden, Feuchtgebieten und Flachgewässern, sondern auch im Pansen der Wiederkäuer. Die Rinderzucht hat sich im letzten Jahrhundert vervierfacht und die Schafhaltung verdoppelt. Man erwartet bis zum Jahr 2100 noch eine Verdopplung der Anzahl der Tiere in der Viehhaltung. Auch bei der Lagerung der Tierexkremente (Gülle) entsteht Methan. In Deutschland ging 2013 und 2014 der Fleisch-Konsum Pro-Kopf leicht zurück, er liegt aber mit 88,2 Kilogramm pro Kopf und Jahr nach Berechnungen des Bauernverbands leicht über dem EU-Durchschnitt.

Aus den gleichen Gründen wie für Feuchtgebiete und Flachgewässer trägt der Reisanbau ebenfalls erheblich zur Methanfreisetzung bei. In den letzten 40 Jahren nahm die Fläche zwar nur um 17% zu, aber der Ertrag stieg auf Grund der technischen Verbesserungen um 41%. Das Lachgas (N2O, Di-Stickstoffoxid) entsteht als Zwischenprodukt bei der mikrobiellen Umsetzung von anorganischen Stickstoffverbindungen in Gewässern und vor allem in Böden. Auch bei Verbrennung organischen Materials (wie Brandrodung und Savannenbrände) bildet sich Lachgas. Ein Teil davon gelangt in die Atmosphäre, wo es im Mittel ca. 120 Jahre verbleibt. Obwohl es noch viele offene Fragen über die Bildung von N2O aus den verschiedenen Stickstoffverbindungen gibt, ist die Proportionalität zwischen dem N2O-Anstieg und der starken Düngung wissenschaftlich belegt. Mit der weltweiten Intensivierung der Landwirtschaft ist daher auch mit einer weiteren Zunahme von N2O zu rechnen.

Insgesamt sind die veränderten Energieflüsse an der Oberfläche durch Landnutzungsänderungen wie Rodung, Bewässerung und Städtebau für den anthropogenen Treibhauseffekt ebenfalls von Bedeutung. Dieser anthropogene Klimaeinfluss tritt seit Jahrtausenden auf. Beispiele dafür sind die Rodung von Wäldern und die Bewässerung von Trockenzonen. Er ist schwieriger zu quantifizieren als der Einfluss von Gasen, weil je nach menschlicher Aktivität die Strahlungs-, Wärme- und Impulsflüsse verstärkt oder vermindert werden. Neu entwickelte Klimamodellierung erlaubt in letzten IPCC-Berichten eine entsprechende Schätzung von Emissionen infolge veränderter Landoberflächeneigenschaften (Abb. 3). Unter FOLU werden Emissionen von CO2, CH4 und N2O zusammengefasst, die mit Landmanagementaktivitäten resultieren. Hierzu gehören Waldflächen, die zu anderen Landnutzungen umgewandelt wurden, sowie zusätzliche CO2-Emissionen durch Brände und Entwässerung von Böden.

Welche Länder emittieren am meisten?

Die globale CO2-Emission aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern (Kohle, Erdöl und Erdgas) sowie bei der Zement- und Metallproduktion betrug im Jahr 2013 35,3 Gt CO2 (Abb.7). Das ist bis jetzt der höchste beobachtete Wert und entspricht eine Erhöhung von 0,7 Gt gegenüber 2012 und ist somit eine Zunahme von 2%. Von 2011 bis 2012 betrug der Anstieg 0,6 Gt entsprechend 1,7%. Diese Werte sind niedriger als der Mittelwert seit 2003 ohne die Rezession-Jahre 2008 und 2009 von 1,1 Gt oder 3,8%, obwohl es ein mittleres Wirtschaftswachstum weltweit von 3,4% 2012 und 3,1% 2013 gab. Diese Entwicklung wird von Experten als eine Verlangsamung des globalen CO2-Anstiegs und eine moderate Teilentkopplung zwischen CO2-Emission und Wirtschaftswachstum bewertet.

GlobaleCO2-EmissionGesamt

Abb. 7: Globale CO2-Emission aus der Verbrennung fossiler Energien (Erdöl, Kohle und Gas), der Zementproduktion und anderen Industrieprozessen in Gt (1 Gigatonne = 1.000.000.000 t CO2). Quelle: PBL- Netherlands- Environmental Assessment Agency – 2014-Report.

29% (10,3 Gt) stammten im Jahre 2013 aus China, USA 15% (5,3 Gt) und der EU-28 11% (3,7 Gt). In China nahm die CO2-Emission von 2011 bis 2012 um 3,4% und von 2012 bis 2013 um 4,2% zu. Das ist deutlich weniger als die Zunahme von rund 10% während des letzten Jahrzehnts. Die Emissionen in den USA waren während der Jahre 2000-2002 5,8-5,9 Gt. In den letzten Jahren (2010-2013) sanken sie auf 5,3-5,5 Gt. Die CO2-Emissionen der 28-EU-Länder sanken von 4,3-4,1 Gt 1990-1992 langsam aber kontinuierlich auf 3,7-3,8 in den Jahren 2012-2013.

 

GlobaleCO2-Emission 8+

Abb. 8: Fünf Länder (USA, China, Russland, Indien und Japan) sowie die EU-28 mit 53% der Weltbevölkerung emittieren 70% des gesamten CO2. Quelle: http://www.pbl.nl/en/publications/trends-in-global-co2-emissions-2014-report.

In China (1.357 Mio. Einwohner), USA (319 Mio. Einwohner) und EU-28 (505 Mio. Einwohner) leben 31,2% der Weltbevölkerung (7.000 Mio. Einwohner) und emittieren 55% des gesamten CO2. Wenn wir dazu Russland (1,8 Gt), Japan (1,4 Gt) und Indien (2,07 Gt) hinzunehmen, die weltweit die nächsten wichtigen Länder bezüglich der CO2-Emissionen sind, kommen wir auf 70% der globalen CO2-Emission mit einem Anteil von ca. 53% der Weltbevölkerung (Abb.8). Während die russische Föderation ihre CO2-Emissionen im Zeitraum 1990-2013 von 2,4 auf 1,8 Gt senkte, steigerte Japan im selben Zeitraum seine Emissionen leicht von 1,2 auf 1,4 Gt. In Indien ist dagegen eine Verdreifachung von 0,7 Anfang der 1990er Jahre auf über 2 Gt im Jahr 2013 zu beobachten.

Damit steht Indien bei den Zuwachsraten an der Spitze der Schwellenländer. Hierzu gehören auch Indonesien, Brasilien, Mexiko, Iran, Saudi Arabien u.a., die ihre CO2-Emissionen von Anfang der 1990er Jahre bis 2013 etwa verdoppelt haben

Die Verlangsamung in den globalen CO2-Anstieg gibt Anlass zur Hoffnung für einen Erfolg im Kampf gegen den Klimawandel. Der Grund ist in der tendenziellen Abnahme der Verwendung fossiler Energieträger und im stärkeren Einsatz erneuerbarer Energie sowie der Steigerung der Energieeffizienz zu suchen. Ferner haben weniger energieintensive und ressourcenschonendere Prozessen zugenommen. In der Öko-Landwirtschaft wird z.B. weniger N2O emittiert. Auch der Anteil des Dienstleistungssektors nimmt zu.

Seit 2002 hat sich die Erzeugung erneuerbarer Energie beschleunigt. Ihr Anteil stieg in den ersten 15 Jahren (1992-2006) nur langsam. In nur 6 Jahren bis 2012 hat sich ihr Anteil verdoppelt. 2013 wurde weltweit 600 EJ (Exajuole) an Primärenergie (Kohle, Gas, Erdöl, Kernenergie, Erneuerbare Energien [EE]) verbraucht (1 EJ = 1018 J). Ein Fünftel davon stellen EE = Wasserkraftenergie, Bioenergie und Solar- und Windenergie dar.

Seit 2012-2013 ist China im Rahmen eines großen grünen Plans dabei, seine Energieversorgung drastisch zu ändern. Selbst Greenpeace berichtet in seinem Magazin Ausgabe 2.15 auf Seiten 47-57 positiv über die Energiewende in China. Im Jahre 2013 wurden dort 12 Gigawatt Solaranlagen installiert. Das ist mehr als je zuvor in einem Land. Diese Anlagen liefern bei Tag so viel Strom wie 8 Atomkraftwerke. China strebt eine drastische Reduzierung des Kohleverbrauchs an. Derzeit kommen 60% seines Strombedarfs aus Kohlenkraftwerken (In Deutschland stammen ca. 44% der Bruttostromerzeugung noch aus Braun- und Steinkohle). Über 50% des globalen CO2-Anstiegs seit 2002 entfallen auf die chinesische Kohle. Bereits 2014 wurde 2% weniger Kohle verbraucht. Dies führte erstmals zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes aus Kohlekraftwerken und zwar um 1%. Im Jahre 2013 wurden in China 9.4 Mio. Elektroroller verkauft. Im Rest der Welt waren es nur 31.000. Im Vergleich zu den hohen Wachstumsraten im Zeitraum 2002-2011 ging in den letzten Jahren die chinesische Produktion von Zement, Stahl und Strom signifikant zurück. Dennoch erzeugte 2013 China 2.3 Mrd Tonnen Zement. Das ist mehr als alle anderen zusammen.

Durch Export und Import sind Verzerrungen bezüglich der CO2-Emissionen feststellbar. Viele Länder mit wenig Industrie wie die Schweiz, Norwegen und Irland importieren Produkte, die in anderen Ländern mit großem energetischem Aufwand hergestellt werden. Die CO2-Emission geht damit zu Lasten der Erzeugungsländer. So ist ein Drittel der China-Produktion für den Export und zwei Drittel für den Inlandkonsum bestimmt. Eine Statistik, die auf Basis von Güterkonsum und nicht Güterproduktion berechnet wird, würde kräftig anders aussehen.

Das sogenannte Zwei-Grad-Ziel beschreibt den Vorsatz, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen und ist eine politische Festsetzung durch die 16. Vertragsstaatenkonferenz in Cancun im Jahre 2010 angelehnt nach wissenschaftlichem Sachstand des IPCC über die wahrscheinlichen Folgen des Klimawandels. Jenseits des Zwei-Grad-Zieles steigt die Wahrscheinlichkeit für irreversible Änderungen im Klimasystem auf ein gefährliches Niveau, mit dessen Erreichen die Folgen des Klimawandels unabsehbar und teilweise unumkehrbar wären.

Der Vergleich nach Ländern ist manchmal irreführend, da Länder wie Deutschland mit 80,6 Mio. oder China mit 1.357 Mio. Einwohnern viel mehr emittieren als Länder wie Schweden mit nur 9,6 Mio. oder Luxemburg mit nur 0,5 Mio. Einwohnern. Ein Vergleich der Emissionen Pro-Kopf ist sinnvoller, ermöglicht einen direkten Vergleich und die Betrachtung über die Jahre.

Abb. 9 zeigt die CO2-Emission Pro-Kopf in den wirtschaftlich wichtigsten Ländern der Welt. Die Werte beziehen sich auf Emissionen aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern sowie aus der Zementproduktion und anderer Industrieprozesse. Wie die Graphik zeigt, liegen die USA mit einer CO2-Emission von über 16 t Pro-Kopf und Jahr mit großem Abstand an der Spitze. China und die EU-28 zeigen fast die gleiche Emission Pro-Kopf. Zum Vergleich wird die CO2-Emission Pro-Kopf in den anderen wichtigen Ländern wie Schwellenländern dargestellt (Abb. 10). Während die Emission Pro-Kopf der Industrie-Länder bei 7 t CO2 und darüber liegt, wird in den Schwellenländern zwischen 4 und 6 t CO2 emittiert.

CO2_Emission_proKopf_IndustrieLänder

Abb. 9: Pro-Kopf-Emission in t CO2 in den wichtigsten Industrieländern inkl. EU-28 während des Jahres 2013. Quelle: Emissionsdatenbank der Europäischen Kommission (EDGAR).

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Abb. 10: Emission Pro-Kopf und Jahr in weiteren wichtigen Ländern (u.a. Schwellenländern) während des Jahres 2013. Quelle: Emissionsdatenbank der Europäischen Kommission (EDGAR).

Betrachtet man die CO2-Emissionen Pro-Kopf und Jahr aller Länder der Welt, so emittieren mehrere arabische Länder wie Katar (2.2 Mio. Einwohner) (40.37 t), Kuwait (3.4 Mio.) (33.67 t) und Vereinigte Arabische Emirate (5.5 Mio.) (33.80 t) am meisten weltweit. In Europa ist Luxemburg (0,54 Mio.) (20,0 t) das Land mit der höchsten Emission Pro-Kopf und Jahr. In Lateinamerika & Karibik sind Trinidad-Tobago (1.3 Mio.) und Niederländische Antillen (0,23 Mio.) mit 36.9 und 21.6 t CO2 die größten Luftverschmutzer. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl dieser Länder wird darüber wenig diskutiert.

Wie vom WBGU (Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) diskutiert wird, sollten die jährlichen Pro-Kopf-Emissionsrechte bei 5,5 t CO2 pro Kopf und Jahr (Erdbürgerrecht auf tolerierbare Klimaschädigung) bei einer Weltbevölkerung von 8 Mrd. liegen, falls eine Stabilisierung bei 450 ppm CO2 etwa im Jahre 2050 postuliert wird (siehe Rahmstorf & Schellnhuber, 2007). In Deutschland lag 2014 die Emission Pro-Kopf und Jahr bei 11,2 t CO2-Äquivalent (UBA 2014).

Literatur:

  • Cubasch, U. & D. Kasang (2000): Anthropogener Klimawandel. Klett, Stuttgart. 128 S.
  • Hupfer, P. & W. Kuttler (Hrsg.) (2005): Witterung und Klima. Eine Einführung in die Meteorologie und Klimatologie. 11. Aufl. Teubner, Stuttgart, Leipzig, 554 S.
  • Rahmstorf, S. & H. J. Schellnhuber (2006): Der Klimawandel – Diagnose, Prognose, Therapie. C.H. Beck, München. 144 S.
  • Schönwiese, Chr-D. (2013): Klimatologie. 4. Auflage. UTB-Verlag, Stuttgart. 489 S.
  • Petit, J. R., J. Jouzel, D. Raynaud, N. I. Barkov, J.-M. Barnola, I. Basile, M. Bender, J. Chappellaz, M. Davis, G. Delaygue, M. Delmotte, V. M. Kotlyakov, M. Legrand, V. Y. Lipenkov, C. Lorius, L. PÉpin, C. Ritz1, E. Saltzman & M. Stievenard (1999): – Climate and atmospheric history of the past 420,000 years from the Vostok ice core, Antarctica. Nature 399: 429-436.
  • IPCC (2013): Fifth Assessment Report – Climate Change 2013 –ipcc.ch/.
  • UBA (2014) -umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase.
  • http://edgar.jrc.ec.europa.eu/overview.php?v=CO2ts1990-2013.
  • http://www.pbl.nl/en/publications/trends-in-global-co2-emissions-2014-report.