Kapitel: 7.5 → Bedrohung durch Erdbeben im Himalaya

 

Birger-G. Lühr

Kurzfassung:

Das Himalaya-Gebirge ist das größte und höchste Gebirge der Erde. Zehn der weltweit 14 Achttausender befinden sich in diesem Faltengebirge, dessen allerhöchste Gipfel in Nepal zu finden sind. Wind und Wetter versuchen immer morphologische Erhebungen einzuebnen und der Erde eine glatte, ausgeglichene Oberfläche zu geben. Dagegen arbeiten geodynamische Prozesse der Plattentektonik und des Vulkanismus. Der Himalaya ist ein Ergebnis der Kollision der indischen mit der eurasischen Platte. Die schroffe Gebirgslandschaft mit ihren steilen Flanken ist ein Zeugnis dafür, dass diese Prozesse auch gegenwärtig stattfinden. Der tektonische Spannungsaufbau in der Erdkruste wird dabei durch Erdbeben wieder abgebaut, wobei Erdbeben mit ihren Erschütterungen in steilen Gebirgsregionen auch Naturgefahren wie Felsstürze, Hangrutschungen, Geröll-, Schnee- und Schlammlawinen sowie Gletschersee-Ausbruchsfluten als sekundäre Effekte generieren können. Da sich in Zeiten klimatischer Erwärmung in hohen Gebirgen wie dem Himalaya die Grenze des Permafrostes in höhere Lagen verschiebt, kommt es in den nun auftauenden Bereichen zu verstärkter Verwitterung und damit auch zu einer mechanischen Destabilisierung des Gesteins. Daneben führt das verstärkte Abschmelzen von Gletschern zur vermehrten Bildung von Gletscherseen, die durch Eis- und Gerölldämme aufgestaut werden. Zukünftig ist somit bei Erdbebenerschütterungen die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es vermehrt zu Massenbewegungen sowie Gletschersee-Ausbruchsfluten kommen kann.

Threat by earthquakes in the Himalayan mountain:

The Himalayan Mountains are the largest and highest mountains in the world. Ten of the world‘s 14 eight-thousand-metre peaks are located in this folded mountain range, the highest peaks of which can be found in Nepal. Wind and weather always try to level morphological surveys and give the earth a smooth, balanced surface. In contrast, geodynamic processes of plate tectonics and volcanism work. The Himalayan mountain range is a result of the collision between the Indian and the Eurasian plate. The rugged mountain landscape with its steep flanks is an evidence that these processes are still taking place today. The tectonic build-up of tension in the earth‘s crust is reduced again by earthquakes, whereby earthquakes with their ground shaking in steep mountainous regions also can cause natural hazards such as rock falls, landslides, block, snow, and mud avalanches as well as glacial lake outburst floods generated as secondary effects. In times of climatic warming the permafrost boundary shifts to higher altitudes, thus increased weathering will start in areas that are now thawing and leads to a mechanical destabilization of hard and soft rocks. In addition, the increased melting of glaciers leads to the formation of glacial lakes, which are dammed up by ice and rock embankments. In the future, earthquake tremors will increase the likelihood that mass movements and glacial lake outburst floods will occur.